Java: Spezialisierung steigert die Stundensätze

Mai 2008

Ihren Siegszug trat die Java-Technologie vor der Jahrtausendwende an. Andreas Jene, Bader & Jene Software-Ingenieurbüro GmbH, beleuchtet den Markt für Java-Freiberufler.

„Java“ war die Technologie, für die Experten gesucht wurden. Eine Nachfrage nach solchen hatte es zwar schon immer gegeben, doch damals verstanden die Kunden unter „Experte“ jemanden, der Java-Syntax, Sprachumfang, OO-Konzepte und UML beherrschte. Das ist heute anders. Für die Kunden von heute bilden konkrete technologische Subsets innerhalb der Java-Technologie den Rahmen, für den freiberufliche Experten gesucht werden. In den letzten zehn Jahren Softwareentwicklung in der „Community“ hat Java an Professionalität und Einfluss gewonnen und sich zu einer führenden Enterprise-Technologie entwickelt. Allerdings wurde das Angebot auch immer größer, unübersichtlicher und komplizierter. Fast täglich entstehen in allen Bereichen der Java-Softwareentwicklung neue Konzepte, Ideen und vor allem Frameworks. In Deutschlands führenden Fachmagazinen werden Monat für Monat neue Frameworks, Trends und Plug-Ins vorgestellt. In Anbetracht einer so breiten Auswahl stellt sich für Kunden immer häufiger die Frage, worauf Sie für die nächsten zehn Jahre setzen sollen. Innerhalb der Java Technologie gibt es inzwischen verschiedene, gleichberechtigte und teilweise völlig unterschiedliche Setups und Strömungen, die nebeneinander existieren. Daraus ergibt sich ein verändertes Bild des Freiberuflers im Java-Umfeld: Er muss nicht mehr nur Verstärkung bieten und Träger von Basis Know-how sein, sondern als sicherer Lotse an den sich ständig verändernden Küsten der Java-Insel agieren.

Ausgeschöpfter Markt – schwierige Auswahl

Wünscht ein Kunde Orientierung und neue Ideen, so sucht er einen Experten, der ein sehr breites Wissen mitbringt, einen Überblick und die notwendige Urteilskraft besitzt, um entscheidende technische Impulse für die Zukunft zu geben. Besonders wichtig ist dabei die angemessene Wahl und risikoarme Empfehlung von neuen oder bewährten Technologien. Konnten Java-Experten noch vor wenigen Jahren allein aufgrund einer langen Projekterfahrung sichere Empfehlungen aussprechen, so ist die Auswahl einer angemessenen und zukunftssicheren Technologie unter all den existierenden Möglichkeiten heutzutage kaum ohne erheblichen und ständigen Weiterbildungsaufwand möglich.

Braucht der Kunde Verstärkung für sein festgelegtes Projektteam, so sucht er heute unter den Java-Experten solche, die genau seinen technischen Rahmenbedingungen entsprechen. Der Kunde erwartet dabei zu Recht einen Experten, der mit den eingesetzten Frameworks keine Anfängerfehler begeht. Allerdings wird die Auswahl auf dem ohnehin sehr ausgeschöpften Markt immer schwieriger, weil sich die wenigen verfügbaren Experten in immer mehrere Untergruppen und Strömungen aufteilen. Ein Beispiel ist das Thema „Enterprise mit oder ohne EJB“. Experten, die seit Jahren große EJB-Anwendungen bauen, haben meist wenig Erfahrung mit Spring gemacht – und umgekehrt. Schon bei Web-Projekten wird nicht nurJava / JSP Know-how gesucht, sondern Spezialisierung für JSF, Spring MFC, Struts 2, GWT oder eines der unzähligen anderen Frameworks. Ganz wichtig: Jedes Mal, wenn die Projektanfrage nicht hundertprozentig mit dem Profil des empfohlenen Freiberuflers zusammenpasst, wird es zwischen Kunde und Freiberufler zu einer verschärften Diskussion über die Rechtfertigung der Stundensätze kommen.

Sprache des Kunden und Freiberuflers sprechen

Die Spezialisierung auf Branchen tritt dadurch immer mehr in den Hintergrund. Natürlich wünschen sich Kunden nach wie vor, dass der eingekaufte Experte auch fachliches Wissen mitbringt. Doch im direkten Vergleich mit den Risiken, welche die fehlende Beherrschung einer Technologie birgt, weicht dieser Wunsch immer mehr dem Bedürfnis nach Sicherheit in Anbetracht der größer werdenden Systeme.

Die Veränderungen schlagen sich auch auf Projektvermittler und Systemhäuser nieder. Es besteht in deutlich höherem Maße die Gefahr, dass die Vermittler, denen die Technik oft fremd ist, nicht mehr die Sprache des Kunden oder des Freiberuflers sprechen. Die Wahl des Geschäftspartners und dessen Sensibiliät für die Besonderheiten der Java-Technologie wird dadurch immer entscheidender für die passende Besetzung von Projekten oder die Akzeptanz durch den Kunden.

Spezialisierung für Zuverlässigkeit

Eine nachgewiesene Spezialisierung auf einen Teilbereich der Java-Technologie verspricht eine deutliche Verbesserung der Verhandlungsposition für freiberufliche IT-Experten. Die Behauptung, man sei Experte für die gesamte Palette der Java-Technologie, nimmt einem der Kunde heutzutage nicht mehr ab: Es sind Spezialisierungen, die die Zuverlässigkeit des Freiberuflers glaubwürdig machen. Der Spezialist muss jedoch ständig den Überblick behalten, um auf die richtige Karte zu setzen – er kann sich nicht mehr darauf ausruhen, Experte in einer modernen und führenden Technologie zu sein. Die alte Weisheit, dass man sich in der Softwareentwicklung ständig weiterbilden muss, um am Ball zu bleiben, besitzt besonders für Freiberufler im Java-Umfeld brennende Aktualität.

Aus: IT Freelancer Magazin Juni / Juli 2008, S. 17f